Fall Oliver: Bedingte Haftstrafe für Vater

 Der dänische Vater des fünfjährigen Oliver wurde in Graz – nicht rechtskräftig – wegen schwerer Nötigung und Kindesentziehung verurteilt.

Der Vater des fünfjährigen Oliver ist am Mittwoch in Graz wegen schwerer Nötigung und Kindesentziehung – nicht, wie angeklagt wegen Freiheitsentziehung – zu zwölf Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Außerdem muss der Däne 1000 Euro Entschädigung an die Mutter zahlen, berichtet die „Kleine Zeitung“.

Er hatte seinen Sohn im April gegen den Willen der Mutter vor dem Kindergarten in Graz an sich genommen und nach Dänemark gebracht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Bei seinen Einvernahmen hatte der Mann beteuert, dass er sich in keiner Weise schuldig fühle, da er in Dänemark das Sorgerecht habe: „Ich habe das Gefühl, für meinen Sohn das Richtige getan zu haben.“

 

Psychologe: „Schwerst traumatisiert“

Am zweiten Prozesstag – dem heutigen Mittwoch – wurde die Mutter als Zeugin befragt. Noch vor ihren Aussagen war ein Psychologe am Wort – nicht als Gutachter, sondern als Zeuge, den die Mutter beantragt hatte. „Für mich steht außer Zweifel, dass das Kind durch die Aktion schwerst traumatisiert wurde“, gab er der Psychologe an. Er hielt „Spätfolgen bis ins Erwachsenenalter“ für möglich. Auf Befragung der Anwältin des angeklagten Thomas S., ob er das Kind je persönlich gesehen hatte, musste der Zeuge verneinen. Er habe seine Diagsoe auf der Basis von zwei Videos erstellt, die das Kind in Österreich und in Dänemark zeigen.

 

Mutter: „Sehe die Gesichter jede Nacht“

Danach schilderte die Mutter die Ereignisse vor dem Kindergarten: Ein Mann habe sie gegen ihr Auto gepresst, damit der Vater das Kind ungehindert in sein Auto bringen konnte. „Ich habe versucht zu schreien, aber es ist kein Ton gekommen“, beschrieb sie ihre anfängliche Schockstarre. „Ich sehe die zwei Gesichter jede Nacht, den Herrn S. (der Vater, Anm.) und den Unbekannten.“ Ihrer Meinung nach war sie aus Dänemark legal ausgereist. Ihr Ex-Partner habe acht Mal versucht einen Haftbefehl gegen sie zu erwirken, doch das hatte nie geklappt.

Bei der Aktion am 3. April vor dem Grazer Kindergarten habe sie zusehen müssen, wie der Vater das Kind umklammert hielt. „Ich habe Oliver angeschaut, er konnte sich nicht bewegen“, sagte die Mutter.

Die Frage von Richter Günter Sprinzel, ob sie sich noch einen gemeinsame Weg für den Buben vorstellen könnte, verneinte die Mutter: „Er hat das Kind traumatisiert“, meinte sie bezüglich des Vaters.

 

Mutter zweifelt an „freiem Geleit“

Im Anschluss wurde der angeklagte Vater nochmals eingehend befragt. Dabei ging es in erster Linie um das Sorgerecht, weniger um die Kindesentziehung. Obwohl die Staatsanwältin am Dienstag gemeint hatte, man werde hier sicher nicht den Obsorgeprozess führen, sah es am Mittwoch stellenweise ganz danach aus. Die längste Zeit ging es nur darum, wer wann das Sorgerecht gehabt hat oder auch nicht, dazu wurden auch zahlreiche Dokumente vorgelegt, die eine Dolmetscherin umgehend übersetzen musste.

Die Mutter hatte zuvor angegeben, sie traue den dänischen Behörden nicht, die ihr freies Geleit zugesichert hatten, falls sie ihr Kind in der Heimat des Vaters besuchen wolle. „Die sperren mich sofort ein, die würden alles tun, um ihr System aufrecht zu erhalten“, mutmaßte die Frau. Trotzdem war sie Anfang September mit ihrer Anwältin in Dänemark gewesen, dabei wurde auch ein Video gedreht. Das soll nun beweisen, wie stark der kleine Bub traumatisiert ist.

Der Vater betonte, er würde niemals wollen, „dass mein Kind den Kontakt zur Mutter verliert.“ Er habe ihr mehrmals angeboten, das Kind in Dänemark zu sehen, was sie jedoch abgelehnt habe.

 

Quelle: (APA/red.) /diepresse.com

 

 

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