Neues Verfahren, altes Urteil.

Das Grazer Straflandesgericht hat am Donnerstag den Vater des sechsjährigen Oliver  wegen schwerer Nötigung und Kindesentziehung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt.  Ein solches Urteil wurde schon im ersten Verfahren im September 2012 gesprochen, bevor der Prozess wegen eines Verfahrensfehlers neu aufgerollt werden musste. Oliver bleibt weiter in Dänemark.

„Das ist kein familienrechtliches Verfahren, hier wird in keiner Weise entschieden, wo Oliver leben soll“, betonte Richter Stefan Koller gleich zu Beginn der Verhandlung, bei welcher Thomas S. persönlich anwesend war, nachdem ihm Österreich freies Geleit zusicherte.

Auch ändert das vom Grazer Straflandesgericht  verhängte Strafmaß  nichts am Aufenthaltsort Olivers, da eine solche Entscheidung nicht  durch das Gericht herbei geführt werden kann. Eine Beugehaft ist nicht zulässig.

Oliver wurde am  3. April 2012 von seinem Vater vor einem Kindergarten in Graz entführt und nach Dänemark gebracht.

 

Keine Obsorge-Entscheidung

Obwohl der Richter zu Beginn der Verhandlung betonte, dass dieser Prozess kein Obsorge-Verfahren sei, driftet die Verhandlung zwangsläufig in die Richtung ab. Die Entführung ist Grundlage für dieses Strafverfahren. Dänische Gerichte und Österreichische Gerichte sprachen zwei verschiedene Sorgerechtsentscheidungen. In Österreich zu Gunsten der Mutter Marion Weilharter, in Dänemark zu Gunsten des Vaters, welcher daraufhin betont, keine strafbare Handlung begangen zu haben. Selbst in Dänemark wurde ihm durch Behörden und Anwälte dazu geraten, Oliver nach Dänemark zu holen.

Diese widersprüchlichen Entscheidungen beider Staaten zur Obsorge, wertete das Gericht zu Gunsten des Angeklagten, so dass der Richter das Strafmaß auf ein Jahr bedingte Haftstarfe (Bewährung) festlegte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

 

Mutter will Schmerzensgeld

Ob es durch die Verteidigung von Marion Weilharter taktisch Klug war oder nicht, sei dahingestellt.

Förderlich für den eigentlichen Zweck, nämlich eine gemeinsame Lösung für den kleinen Oliver zu finden, war  es wohl eher nicht, als die Partei um Marion Weilharter finanzielle Forderungen in Höhe von 183.000 Euro stellte. Diese beinhalt Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Anwalts- und Reisekosten.  Wie sich im weiteren Verlauf der Verhandlung jedoch  herausstellte, hatte sie bereits seit ihrer Rückkehr  von Dänemark nach Österreich  im Jahre 2010 nicht mehr gearbeitet.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieser internationale Sorgerechtsstreit weiter entwickelt und hoffen im Sinne des Kindeswohls auf eine schnelle und gütliche, für beide Parteien akzeptable und einvernehmliche Einigung.