Kindesentführung Libanon

Prozess wegen Kindesentzug: Die Mutter bangt weiter

Der Fall eines libanesischen Staatsbürgers, der seine Kinder in sein Heimatland brachte und damit ihrer Mutter entzog, wächst sich zu einem nervenaufreibenden Kuriosum aus: Auch die neuerliche Verhandlung beim Prümer Amtsgericht am Donnerstag musste ausfallen – wegen eines verschwundenen Schreibens. Dennoch deutet sich vielleicht eine Wende an.

Prüm. Amtsgericht zum Dritten: Mehr als ein Dutzend Zuhörer haben am Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr im Verhandlungssaal Platz genommen. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage sind vertreten, dazu ein Übersetzer. Nur der 42-jährige libanesische Staatsbürger, um den es heute gehen soll, ist nicht da.

Der Mann sitzt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Trier in Untersuchungshaft: Gerichtsdirektor Franz-Josef Triendl hatte den Haftbefehl erlassen, weil der Libanese bereits zum ersten Termin Anfang Januar nicht aufgekreuzt war (der TV berichtete).

Der Vorwurf: Im vorigen Jahr hatte der 42-Jährige nach der Trennung von seiner im Raum Prüm lebenden Frau die drei gemeinsamen Kinder zu seiner Familie in den Libanon gebracht. Damit hatte er gegen eine bei der Scheidung getroffene Vereinbarung verstoßen und zugleich gegen das deutsche Sorgerecht. Weil der Mann und die 29-jährige Frau nur nach islamischem Ritus getraut worden waren, galten sie nach deutschem Gesetz nicht als verheiratet. Nach der Trennung fiel deshalb die Verantwortung für die Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen, automatisch an die Mutter. Die 29-Jährige, syrischer und libanesischer Abstammung, war zwar kurz darauf ebenfalls in den Libanon gereist, die Familie ihres Ex-Mannes habe ihr aber nur ein kurzes Treffen mit den beiden Jungen erlaubt, eine Begegnung mit ihrer sechsjährigen Tochter sei ihr verwehrt worden. Stattdessen soll sie zusammengeschlagen worden sein.

 

Ehe in Deutschland ungültig

Anfang Februar war dann Haftprüfungstermin. Der Libanese wurde in Handschellen vorgeführt, sagte kein Wort und musste zurück hinter Gitter. Dass er nun wieder nicht erschien, ist ihm allerdings nicht vorzuwerfen: Wie ein offensichtlich konsternierter Franz-Josef Triendl den Anwesenden mitteilt, sei bei der JVA „angeblich kein Vorführungsersuchen eingegangen“. Kurz: Im Gefängnis wusste niemand von dem Termin, deshalb brachte auch keiner den Angeklagten nach Prüm.

Noch ist nicht geklärt, wie das passieren konnte: Das Gericht teilt auf TV-Anfrage mit, dass das entsprechende Schreiben „definitiv“ nach Trier gegangen sei. Die Geschäftsstelle der JVA gibt an, es sei dort nie eingetroffen – man hätte den Häftling ansonsten „gern vorgeführt“.

Aufstöhnen in den Stuhlreihen – und dann ein Aufatmen: Denn es gibt vielleicht doch Hoffnung für die Mutter: Der Angeklagte, sagt Triendl, habe „um Erlaubnis gebeten, mit seinem Bruder im Libanon telefonieren zu dürfen. Damit er die Kinder zurückbringt.“ Triendl lässt aber die Hoffnungen der Mutter und ihrer ebenfalls anwesenden Angehörigen und Freunde nicht zu groß werden: „Es kann sein, dass es sich um einen Schachzug handelt. Aber wenn das ernst gemeint ist, könnten die Kinder in drei Wochen da sein.“

Für die Hauptverhandlung wird jetzt ein neuer Termin gesucht – der vierte in diesem Fall. Richter Triendl: „Wenn einmal der Wurm drin ist …“

 

Quelle: Volksfreund.de

 

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