Fall Elias vor Gericht: Bewährungs- und Geldstrafe wegen Kindesentführung

AHAUS/VREDEN/MÜNSTER Eine Geldstrafe wegen Beihilfe zur Kindesentziehung verhängte das Amtsgericht Ahaus am Mittwochmorgen gegen eine 38-jährige Münsteranerin: Sie hatte im August 2011 dem leiblichen Vater des sechsjährigen Elias aus Vreden dabei geholfen, ihn außer Landes zu bringen. Der Hauptangeklagte wurde  in Abwesenheit zu einer einer einjährigen Bewährungsstrafe und zur Herausgabe des Kindes bis zum 30. April dieses Jahres verurteilt.

Die Frau hatte dem Angeklagten die Personalpapiere ihres in etwa gleichaltrigen Sohns zur Verfügung gestellt und war mit Vater und Sohn von Amsterdam aus nach Ankara geflogen.

Der Hauptangeklagte, der sich in der Türkei aufhält, war trotz Ladung nicht zu dem Gerichtstermin erschienen. Er hatte dem Gericht aber schriftlich geantwortet. Der Richter trennte daher auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Verfahren ab und erließ einen Strafbefehl, in dem der Beschuldigte zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und zur Herausgabe des Kindes bis zum 30. April dieses Jahres verurteilt wurde. Sein Rechtsanwalt verließ daraufhin die Verhandlung.

 

Frau mit Fotos erpresst

Die beschuldigte Verwaltungsangestellte aus Münster räumte in ihrer Vernehmung die ihr zur Last gelegten Taten ein. Sie habe mit dem Angeklagten eine zweijährige Beziehung unterhalten und sei während dieser Zeit auch immer dabei gewesen, wenn der Angeklagte seinen Sohn von der Mutter abgeholt habe. Er habe ihr dann im August des vergangenen Jahres spontan vorgeschlagen, mit ihr und ihrem anderen Sohn in die Türkei zu reisen und habe auch telefonisch die drei Tickets geordert.

Einen Tag vor der geplanten Reise habe er ihr dann aber mitgeteilt, dass nicht ihr Sohn, sondern sein Sohn Elias mit den Ausweispapieren ihres Kindes mitfahren werde. Das habe sie entschieden abgelehnt. „Du spinnst wohl total. Das mache ich nicht mit.“ Daraufhin habe der Angeklagte damit gedroht, Nacktfotos von ihr ins Internet zu stellen und auch an ihre Arbeitsstelle zu schicken. Da habe sie den Ausweis ihres Sohn doch ausgehändigt. „Das war eine richtige Ausnahmesituation. Ich habe nicht mehr so gehandelt, wie ich es normal tue. Ich konnte nicht mehr reagieren“, erklärte die 38-Jährige gegenüber dem Richter.

 

Vater: Wir fahren zum Legoland

Der Vater von Eilas habe dann seinen Sohn wie gewohnt beim Jugendamt in Stadtlohn abgeholt. Ein Fahrer habe sie zu dritt nach Amsterdam gebracht. Während der Fahrt habe der Beschuldigte seinem Sohn erklärt, die Reise gehe zum Legoland in Paris. Von Ankara aus seien sie mit dem Bus nach Antalya gefahren. Sie habe von dort die Rückreise nach Deutschland angetreten.

Die Staatsanwältin hielt in ihren Plädoyer der Angeklagten ihr Geständnis zu Gute und beantragte eine Geldbuße von 90 Tagessätzen à 47 Euro, auch die Verteidigung sah eine Geldstrafe als ausreichend an. Sie muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.

Kein Verständnis für das Verhalten der türkischen Behörden zeigte der Richter bei der Urteilsverkündung. Der Angeklagte werde mit einem deutschen und internationalen Haftbefehl gesucht. Zudem sei die Türkei schon 1980 einem Abkommen beigetreten, das sie in so einen Fall zum Handeln verpflichte.

Von Dr. Johannes Kratz

Quelle: muensterschezeitung

 

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