Kindesentführung Gaza

Ein 33-jähriger Mann, welcher seine Tochter in den Gazastreifen entführt hatte, wurde vom Gericht in Schwäbisch Hall zu 2 Jahren Haft und Schmerzensgeld in Höhe von 18.000 Euro verurteilt.

Das Amtsgericht in Schwäbisch Hall sah es als erwiesen an, dass der 33-jährige Ingenieur seine damals 5-jährige Tochter im Jahre 2009, gegen den Willen der Mutter in der Gazastreifen verbracht und dort bei Verwandten gelassen hat. Der 33-jährige kehrte nach Deutschland zurück und hat hier Frau und Sohn.

Seit dieser Zeit konnte die Mutter lediglich über Telefon oder Internet Kontakt zu ihrer Tochter halten.

Das Paar hatte sich als Studenten in Frankfurt kennengelernt. Er war 2001 aus Gaza übergesiedelt, seine damalige Lebensgefährtin, die Mutter der mittlerweile knapp 10-jährigen Tochter, stammt aus der Ukraine. Beide heirateten 2004, kurz vor der Geburt des Kindes, nach islamischem Recht. Nach deutschem Recht gelten sie als unverheiratet. Die Mutter war seit der Geburt des Kindes alleine sorgeberechtigt.

Anni wuchs die ersten drei Lebensjahre in Frankfurt auf und wurde mit deutsch, russisch und arabisch, dreisprachig erzogen.

 

Entführung während Urlaubsreise

Nach der Trennung des Paares, wollte die Mutter weiter in Göttingen studieren, was dem Vater nicht behagte. Er plante eine Reise nach Ägypten, welche die Mutter trotz Bedenken zuließ. Die geplante Ägyptenreise endete jedoch in Gaza Stadt, wo Anni durch den Vater bei dessen Familie zurück gelassen wurde.

 

Vater könne nichts dafür

Im Prozess sagte der 33-jährige sinngemäß, er könne nichts dafür. Als er in Gaza Stadt zu seiner Rückreise aufbrechen wollte, habe seine Mutter das Kind vor ihm versteckt. Nach eigener Aussage habe er mit seinem Vater stundenlang nach Anni gesucht, vergeblich. Da die Grenze zu Ägypten nach wochenlanger Wartezeit wieder geöffnet war und sein Arbeitgeber in Deutschland auf ihn wartete, habe er die Rückreise ohne seine Tochter angetreten. Zwei weitere Versuche, Anni aus Gaza Stadt zu schleusen scheiterten angeblich. Ihm selbst sei bei der Einreise von maskierten Räubern der Pass gestohlen worden. Seine Mutter stehe der Hamas nahe. Nach seiner Aussage jedoch, geht es Anni gut, sie habe sehr gute Zeugnisse und mittlerweile auch palästinensische Staatsangehörigkeit.

 

Experte führt islamisches Recht an

Ein Experte für islamisches Familienrecht erklärte im Prozess, dass der Vater nach islamischem Recht das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht habe. Nach dem Familienrecht in Gaza gebe es eine klare Rollenverteilung. Die Mutter habe die Aufgabe, bis zum elften Lebensjahr die persönliche Fürsorge zu übernehmen, jedoch nicht über das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu verfügen.

Diese Auffassung teilte das Gericht nicht, da die Straftat auf deutschem Hoheitsgebiet vollzogen wurde und islamisches Recht hier keine Anwendung findet.