Die Entführung von Jonas und Elias Ochi-Schoch nach Tunesien.

Nachdem  u.a. die  Jugendbehörde in Frauenfeld wohl Ihren Beitrag zur Kindesentführung von Jonas und Elias nach Tunesien geleistet hat, wollte www.kindesentzug24.com von Janine Schoch wissen, in wie weit ihr die Behörden in der Schweiz zur Seite stehen und an einer Lösung zur Rückführung arbeiten.

(Anmerkung für deutsche Besucher: EDA= Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, Außenministerium)

 

Quelle: Privat

Issam hat Ihnen vor Gericht gedroht sie in Tunesien festnehmen zu lassen wenn Sie die Kinder besuchen. Hat das EDA geholfen die Situation zu klären.

Janine: Nein. Ich, wie auch mein Anwalt,  haben das EDA mehrmals aufgefordert mit den tunesischen Behörden in Verbindung zu treten und die Drohungen von Issam zu besprechen, damit ich mein in Tunesien gerichtlich geregeltes Besuchsrecht ohne Furcht wahrnehmen kann. Bis heute ist mir kein solches Gespräch zwischen EDA und den tunesischen Behörden bekannt.

 

Was waren die Aussagen des EDA für die Verweigerung

Janine: Bis heute habe ich auf mehrfaches nachfragen keine zufriedenstellende Antwort dazu erhalten.

 

Hat das EDA Ihnen Unterstützung beim Besuch Ihrer Kinder in Tunesien zugesagt?

Janine: Nein, ganz im Gegenteil. Das EDA riet mir mehrmals von einer Reise nach Tunesien ab, da sie nicht für meine Sicherheit garantieren können.

 

Demnach hat sich das EDA also nicht für das Kindeswohl interessiert?

Janine: Dieser Eindruck kann durch das Verhalten sehr wohl entstehen. Issam droht mir vor dem Staatsanwalt damit, mich in Tunesien unter einem Vorwand durch befreundete Polizisten festnehmen zu lassen, indem sie mir z.B. Drogen unterschmuggeln. Das EDA fühlte sich anscheinend außerstande hier auf dem diplomatischen Wege die ganze Angelegenheit, welche durch ein Schweizer Gericht dokumentiert ist, zu besprechen bzw. zu klären. Es ist mir völlig unerklärlich warum. Normal sitzt man doch auch wegen unzähliger Kleinigkeiten zusammen und bespricht binationale Angelegenheiten oder trifft sich zu sündhaft teuren Banketts. Keiner hatte wohl Interesse daran diese Problematik, welcher sicherlich nicht nur mich betrifft, zu besprechen.

 

Sie flogen trotzdem zu Ihren Kindern nach Tunesien. Was sagte das EDA dazu?

Janine: Ich erhielt die üblichen wohl standarisierten Floskeln für einen solchen Fall. Fliegen Sie nicht….viel zu gefährlich…. usw. Erst als ich mich über alle Warnungen hinweggesetzt habe und dem EDA mitgeteilt habe, dass ich nach Tunesien fliegen werde, bot man mir ein Treffen mit dem Botschafter in Tunis an, damit dieser über den Ablauf meines Aufenthaltes informiert ist.

 

Haben sie den Eindruck, dass das EDA nicht auf das Kindeswohl bedacht ist.

Janine: Auch hier kann ich nur sagen, es entsteht zumindest der Eindruck, dass man mit wenig Engagement damit beschäftigt war, mir mein Besuchsrecht in Tunesien zu ermöglichen. Ganz im Gegenteil. Mir wurde von einer Reise abgeraten.

 

Kann es sein, dass die beiden Jungs für das EDA jetzt einfach tunesische Staatsbürger sind und sie sich somit nicht mehr zuständig fühlen?

Janine: Das ist mir eigentlich völlig egal, ob die das denken. Die Kinder haben Schweizer Pässe und sind somit Schweizer Staatsbürger. Das kann Ihnen auch keiner nehmen. Demnach ist das EDA derer verpflichtet. So schreiben es die Schweizer Gesetze vor und so sieht es auch die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung.

 

Haben Sie vor gegen die Verantwortlichen rechtlicher Schritte einzuleiten?

Janine:  Die Schweiz hat die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Demnach verpflichten sie sich dem Kindeswohl, zumal es deren Staatsbürger sind. Derzeit prüfen wir ein Beschwerdeverfahren gegen die Schweiz bei den Vereinten Nationen, da sie sich unserer Auffassung nach nicht genügend für das Kindeswohl einsetzt. Mehr möchte ich hierzu derzeit nicht sagen.

 

Hat das EDA in den ganzen 1 ½ Jahren jemand von der Botschaft bei den Kindern vorbei geschickt?

Janine:  Nach meinen Erkenntnissen nicht. Angeblich wurde mit den Großeltern ein Telefonat geführt, welches diese aber bestreiten.

 

Demnach hat sich das EDA bisher nicht um seine zwei minderjährigen Staatsbürger gekümmert?

Janine:  Wenn Sie damit meinen, dass von der Botschaft nach den Kindern geschaut hat, geschaut hat ob sie zur Schule gehen, wie sie untergebracht sind, wie ihre Entwicklung ist, dann wohl nein. Bisher wurde mir nur zum ISD geraten. Dieser kann aber nach eigenen Angaben nichts tun. Trotz Auskunft an das EDA, werde ich immer wieder daran verwiesen. Ich glaube manchmal, die lesen meine Briefe gar nicht.

 

Gab es hierfür eine Begründung?

Janine:  Mir wurde gesagt, dass es rechtlich keine Möglichkeit gebe. Demnach hat man es wohl gar nicht auf Goodwill versucht, sondern gleich gelassen.

 

Issam hat mehrfach betont, dass er zu einer gütlichen Einigung bereit wäre, wenn er diverse Sicherheiten bekommt. Diese müssten zwischen den 2 Staaten abgesprochen werden. Wie weit hat das EDA sich bisher darum gekümmert?

Janine: (*großes Erstaunen, gefolgt von einem verbitterten lachen*) Noch überhaupt nicht. Der Staatsanwalt hat Issam wohl mitgeteilt, dass es für das Strafmaß besser wäre er würde die Kinder zurück lassen. Issam benötigt jedoch Sicherheiten dass er die Kinder sehen kann, hat aber kein Vertrauen in die Schweiz. Eine entsprechende Abmachung müsste evtl mit den tunesischen Behörden abgesprochen und beglaubigt werden. Der einfachste Ansprechpartner hierzu wäre der tunesische Botschafter in der Schweiz, welche zu Issam in regem Kontakt steht. Meinem Wissen nach, hat sich das EDA hier noch nie zu einem Gespräch mit diesem durchgerungen oder mit dem Staatsanwalt und dem Rechtsanwalt von Issam ein Grundgerüst für Verhandlungen gelegt.

 

In diese Verhandlungen müsste wahrscheinlich auch das Migrationsamt einbezogen werden. Hat dieses bereits Gespräche mit den Parteien aufgenommen?

Janine:  Nein, soweit mir bekannt, haben diese sich noch nie zu der Sache geäußert oder einen Vorschlag unterbereitet. Sollte dies doch so sein, habe ich keine Kenntnis darüber.

 

Hat das EDA sich mit dem Migrationsamt zu der Sache besprochen?

Janine:  Auch hierzu habe keine Erkenntnis.

 

War überhaupt jemand von den Schweizer Behörden imstande eine gütliche Einigung zu unterstützen?

Janine:  Ich glaube nicht. Der einzige von dem ich weiß, war wohl der Staatsanwalt, welcher Issam Strafmilderung angeboten hat. Issam möchte aber weiterhin seine Kinder sehen können. Hierzu bedarf es Verhandlungen und der Suche nach Möglichkeiten durch die genannten Behörden.

 

Anmerkung Kindesentzug24:

Die gängige Praxis bei solchen Verhandlungen zur Lösungsfindung ist in aller Regel der „rundeTisch“. Dieser besteht meist aus den Parteien selbst, den Rechtsbeiständen beider Parteien, sowie Vertretern der Staatsanwaltschaft, der Ausländerbehörde, des EDA und einem Vertreter der tunesischen Botschaft. Im Rahmen einer solchen Verhandlung, können Lösungen ausgearbeitet werden, welche von beiden Staaten anerkannt werden, so dass Issam Rechtssicherheit erhält und somit sein Misstrauen gegenüber den Schweizer Behörden beilegen kann.

 

Wurde ein solcher „runder Tisch“ schon einmal in Erwägung gezogen?

Janine: Nein, ich habe ein solches Szenario schon einige Male ins Gespräch gebracht. Bisher leider erfolglos. Es kam mir vor, als ob niemand Interesse daran hat. Alternativ habe man mir ohne ausreichende Begründung gesagt, dass so etwas nicht möglich sein. Wieso, weshalb und warum, war aber niemand bereit mir zu sagen.

 

Hat sich die tunesische Botschaft in der Schweiz mit Ihnen in Verbindung gesetzt und einen Lösungsvorschlag offeriert?

Janine: Nein, von der tunesischen Botschaft kam bisher keinerlei Reaktion mir gegenüber. Nachdem sie den Kindern aufgrund gefälschter und fehlender Papiere illegaler Weise tunesische Pässe ausgestellt haben, gehe ich auch nicht davon aus, von diesen einen konstruktiven Lösungsvorschlag zu erhalten.

 

Also hat die tunesische Botschaft in der Schweiz die Kindesentführung von Beginn an unterstützt?

Janine: Die bisherigen Aussagen von Issam lassen nur schwer eine andere Vermutung zu. Issam hat angegeben, dass ihn die tunesische Botschaft in der Schweiz stets unterstützt hat, als es um die Pässe für die Kinder ging. Rechtsgültige Papiere seien unwichtig gewesen. Man kann daher davon ausgehen, dass die tunesische Botschaft ganz genau wusste, was er mit den Pässen vorhat.

 

In anderen Ländern wird nach einem solchen Vorfall der  Botschafter ins zuständige Ministerium gebeten um Stellung zum Sachverhalt zu nehmen. Hat das EDA den Botschafter kontaktiert?

Janine: Ich weiß darüber nichts. Kann es mir aber ehrlich gesagt nur sehr schwer bis gar nicht  vorstellen.

 

Haben sie eine Vorstellung, weshalb das EDA dies nicht tat und den Botschafter weiter schalten und walten lässt, bis die nächsten Kinder darunter leiden?

Janine. Hierzu erspare ich mir aus rechtlichen Gründen derzeit einen Kommentar.

 

Die Jugendbehörde in Frauenfeld hat ihre Befürchtungen vor der Entführung nicht ernst genommen und so zumindest eine Kindesentführung vereinfacht. Hat sich bisher jemand bei Ihnen entschuldigt oder Hilfe angeboten.

Janine:  Nein, von denen habe ich nichts mehr gehört. Keiner hat jemals Stellung genommen oder sich für die grobe Fehleinschätzung entschuldigt.

 

Haben Sie gegen die damaligen Entscheidungsträger Schritte eingeleitet?

Janine:  Bisher noch nicht. Ich habe jedoch engagierte Anwälte auf meiner Seite. Durch das enorme öffentliche Interesse, mittlerweile weit über die Schweizer Grenzen hinaus, fanden sich Juristen, welche diese Dinge ohne mein Zutun bearbeiten möchten. Ich bin nicht auf Rache oder ähnlichem gegen die Jugendbehörde aus, jedoch habe ich durch meinen Fall auch die Verantwortung, andere Mütter vor solchen Sachbearbeitern zu schützen. In meinen Augen haben die groben Fehlentscheidungen dieser, die Zukunft meiner Kinder und damit das Kindeswohl auf das schärfste gefährdet.

 

Wurde Ihnen durch andere Behörden oder Organisationen in der Schweiz Hilfe zuteil?

Janine:  Leider muss ich für die Schweiz, bis auf eine Ausnahme, auch hier ein klares Nein aussprechen. Die einzige Organisation welche mir bisher konstruktiv Hilfe geleistet hat, war die Opferhilfe. Ohne diese wäre es mir nicht möglich gewesen den Prozess zum Besuchsrecht in Tunesien zu führen und dadurch meine Kinder zu sehen. Die finanzielle Last für Rechtsanwälte, Gerichtsprozesse, Reisen nach Tunesien um mich mit dortigen Anwälten zu besprechen, wäre für mich nicht zu Schultern gewesen. Daher möchte ich mich auch sehr herzlich bei der Opferhilfe für ihre aufopfernde Arbeit bedanken, ohne die ich meine Kinder schon lange hätte aufgeben müssen.

Bedanken möchte ich mich auch bei www.kindesentzug24.com, welche für mich in der vergangenen Zeit stets ein kompetenter und fachkundiger Ansprechpartner waren und noch immer sind, immer ein offenes Ohr haben und bisher mit wertvollen Ratschlägen jederzeit, in allen emotionalen Situationen, hilfreich zur Seite standen. Danke auch an die Forenteilnehmer im hießigen Forum, welche auch immer aufmunternde Worte fanden und wo sich mittlerweile persönliche Freundschaften entwickelt haben.

 

Interview mit Janine Schoch vom 04.06.2012

www.kindesentzug24.com, bedankt sich bei Janine Schoch für das freundliche und ausführliche Interview und wünscht für die Zukunft alles Gute.