Tochter entführt: Tunesier zu bedingter Geldstrafe verurteilt

Ein Tunesier hatte seine einjährige Tochter von Zürich nach Nordafrika ohne Wissen der Mutter des Kindes gebracht. Am Montag hat ihn das Bezirksgericht Zürich wegen Entziehens Unmündiger zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 35 Franken verurteilt.

Auch die Gerichtsgebühr von 900 Franken wurde dem Vater auferlegt. Der in Zürich wohnhafte 42-Jährige reiste am 9. März 2010 in seine Heimat. Ohne Wissen der Ehefrau und Kindsmutter nahm er die damals einjährige Tochter mit und übergab sie den Grosseltern.

Die Ehe zwischen der gebürtigen Griechin und dem Tunesier zerbrach; nicht zuletzt auch deshalb, weil die Frau den Mann anzeigte.

Die Anzeige hatte auch zur Folge, dass die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl im Februar 2011 den in der Sache geständigen Vater per Strafbefehl wegen Entziehens von Unmündigen zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 90 Franken sowie 500 Franken Busse verurteilt. Dagegen hatte der Mann Einsprache erhoben.

 

Tochter schützen wollen

Der Kindsvater führte vor Gericht aus, er habe die Tochter bloss vor ihrer überforderten Mutter schützen wollen. Diese habe seit der Geburt des Kindes kaum mehr geschlafen, und sie habe sich nicht mehr um den Haushalt gekümmert.

Da auch die Vormundschaftsbehörde keinen Rat gewusst habe, habe er auf eigene Faust gehandelt und das Kind zu seiner Verwandtschaft in Nordafrika gebracht, sagte der Mann weiter

Sein Verteidiger verlangte am Montag vor Gericht einen Freispruch. Er führte an, dass das Kind gar nicht bei seiner Mutter sein wolle.

Ausserdem stehe es dieser frei, jederzeit telefonischen oder gar persönlichen Kontakt mit ihrem Kind aufzunehmen. Die im Gerichtssaal anwesende Mutter widersprach und führte aus, dass sie ihre Tochter seit bald zwei Jahren nicht mehr gesehen habe.

 

Appell an beide Seiten

Der Richter hielt fest, dass der Vater das unmündige Kind seiner Mutter ohne Einwilligung entzogen habe. Den Argumenten des Verteidigers folgte er nicht. Ein Kind in diesem Alter besitze noch gar keinen eigenen Willen.

Dem Beschuldigten lastete er zudem einen deliktischen Willen an. Denn laut Urteil lag der Verbringung des Kindes nach Afrika eine gewisse Planung zugrunde.

Bezüglich des Erfolges eines Rechtshilfegesuches machte der Richter der Mutter keine grossen Hoffnungen. Er appellierte an die Parteien, etwas Vernünftiges zu vereinbaren, um die Situation des mittlerweile dreijährigen Mädchens zu verbessern.

(sda)

Quelle: http://www.bluewin.ch