Bezirksgericht Zürich

Schweizer für Kindesentführung zu 27 Monaten verurteilt

Das Bezirksgericht Zürich hat einen Schweizer zu 27 Monaten Haft teilbedingt verurteilt. Der Mann entführte Anfang 2011 seine damals 4¹/-jährige Tochter in die Philippinen.

 

Ein heute 67-jähriger Schweizer war im April 2011 mit seiner damals 4¹/-jährigen Tochter in die Philippinen gereist, ohne Wissen der Mutter. Gemäss Anklage war dieser Aufenthalt auf mindestens 10 Jahre angelegt. Allerdings konnten der Beschuldigte und das Kind nach rund einjähriger Fahndung in die Schweiz zurückgeführt werden.

 

«Egoismus vor Kindeswohl»

Vor dem Bezirksgericht Zürich hat der Vater am Montag angegeben, die Ausreise zum Wohle seiner Tochter vorgenommen zu haben. Deren Mutter, seine von ihm getrennt lebende, aus Kenya stammende Ehefrau, habe die Tochter vernachlässigt und ihr häufig Beruhigungsmittel verabreicht.

Die Staatsanwältin forderte eine Verurteilung wegen Entführung und – beziehungsweise eventualiter – wegen Entziehens von Unmündigen. Der Beschuldigte sei mit 27 Monaten Freiheitsstrafe und einer Busse von 1500 Franken zu belegen; von der Freiheitsstrafe seien 21 Monate bedingt zu vollziehen. Der Vater habe sein Kind eigenmächtig in eine umfassende Abhängigkeit gebracht, führte die Anklägerin am Montag aus. Damit habe er auch eine gerichtliche Regelung missachtet, die das Kind unter die elterliche Obhut der Mutter gestellt habe. Der Mann habe die Tochter wie sein Eigentum behandelt und seinen Egoismus über das Kindswohl gestellt. Die Vorwürfe an die Mutter zielten ins Leere; so habe eine Haarprobe beim Kind keinerlei Hinweise auf Beruhigungsmittel ergeben.

Dem Gericht gegenüber bestätigte der Beschuldigte den eingeklagten Sachverhalt, wehrte sich aber gegen die rechtliche Würdigung als Entführung. Er habe das Mädchen vor dem schädlichen Einfluss der Mutter schützen wollen, tatsächlich sei es in den Philippinen rasch aufgeblüht. Er sehe sich heute eher als Opfer denn als Täter, wisse aber: «einfach abhauen war falsch».

Der Pflichtverteidiger anerkannte den Vorwurf der Entführung; sein Mandant habe damit aber das Kind retten wollen, weshalb ein Notwehrexzess vorliege. Angemessen erscheine daher eine Haftstrafe von 18 Monaten teilbedingt.

 

Kein Notwehrexzess

Das Gericht fällte ein Urteil wegen Entführung und Entziehens von Unmündigen. Mit einer Haftstrafe von 27 Monaten teilbedingt folgte es der Anklage; 6 Monate davon sind zu vollziehen, der Beschuldigte – er ist im letzten August erneut Vater geworden – hat sie mit Untersuchungshaft und vorzeitigem Vollzug bereits verbüsst. Für die weiteren 21 Monate bedingt gilt eine Probezeit von 2 Jahren. Die Genugtuung an die Mutter wurde auf 12 000 Franken festgelegt, deren Anwältin hatte 50 000 Franken gefordert. Eine Busse entfällt, dafür muss der Beschuldigte für die Untersuchungskosten aufkommen. Der Gerichtsvorsitzende bezeichnete das Delikt als schwer, von Notstand könne keine Rede sein. Mildernd fielen dafür das Geständnis und – zumindest subjektive – Aspekte des Motivs ins Gewicht.

 

Urteil DG120308 vom 17. 12. 12, nicht rechtskräftig

 

Quelle.nzz.ch