Strafe für Kindesentführerin auf insgesamt drei Jahre Haft erhöht

Nach der schockierenden Kindesentziehung durch eine Unterländerin erhöhte das Oberlandesgericht nochmals deren Strafe.

 

Innsbruck – Jene 34-jährige Unterländerin, die im Juni 2010 durch eine detailliert vorbereitete Kindesentführung in einem Salzburger Einkaufszentrum österreichweit für Aufsehen und die größte grenzübergreifende Fahndung seit Jahren gesorgt hatte, musste am Donnerstag wohl letztmalig das Gebäude des Landesgerichts betreten.

Ging es doch vor einem Strafsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) unter Leitung von Walter Krabichler um die Strafberufung von Staatsanwaltschaft und Verteidiger Mathias Kapferer.

Schüchtern wie zum Prozessauftakt nahm die mittlerweile wieder sozial Integrierte Platz vor den Berufungsrichtern und schilderte, dass das unvorstellbare Ereignis nunmehr auch aus ihr einen stärkeren Menschen gemacht hätte. War die Frau doch im erstinstanzlichen Prozess nicht nur wegen Kindesentziehung (bis drei Jahre Haft), sondern auch wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung angeklagt, nachdem sie in einem Reisebüro Kunden nicht enttäuschen wollte und diesen deshalb Reisen viel zu billig ermöglich hatte.

Auch ein Vermögensdelikt bei ihrem vorhergehenden Arbeitgeber lief übrigens aus ähnlicher Motivation ab. „Heute habe ich durch die Betreuung aber gelernt, Menschen auch zu widersprechen und Nein zu sagen!“, versicherte die Berufungswerberin den Richtern. Verteidiger Kapferer ersuchte wegen der Arbeitsstelle und Schadenersatz, die im Mai verhängte Gefängnisstrafe von zwei Jahren in eine zumindest bedingte Haftstrafe für die Geläuterte umzuwandeln. An Details der geplanten Entführung des Babys konnte oder wollte sich die Unterländerin diese Woche nicht mehr erinnern – nicht einmal daran, wann sie denn ungefähr bemerkt hatte, ob es sich um einen Buben oder ein Mädchen handelte.

Aus psychiatrischer Sicht gebe es ohnehin keine Erklärung für die Tat, die Frau weise keine „manifeste psychische Erkrankung auf“, erklärte dazu im Prozess Gerichtspsychiaterin Karin Kramer-Reinstadler. Alle Tests hätten ergeben, dass die 34-Jährige nur an einer leichten depressiven Beeinträchtigung leide. „Es liegen keine Denkstörungen, keine Schizophrenie und keine Paranoia, allenfalls eingeschränkte Steuerungsfähigkeit vor.“ Zum Prozessauftakt hatte die Angeklagte unter Tränen geschildert, dass sie „zum Kreis der Mütter gehören“ wollte, nachdem sie 2009 eine Fehlgeburt erlitten hatte. Trotzdem habe sie sich damals aber weiter auf den Geburtstermin vorbereitet.

Die Tat blieb jedoch auch dem Oberlandesgericht unerklärbar und wurde deshalb noch strenger sanktioniert.

Zweieinhalb statt zwei Jahre Haft ergingen für Entziehung und Veruntreuung nun letztlich. Dazu widerriefen sie einst bedingt nachgesehene sechs Monate aus der Erstverurteilung wegen allzu schnellen Rückfalls:

„Die Kindesentführung hatte einfach einen zu großen sozialen Störwert und Unrechtsgehalt!“

Quelle: Tiroler Tageszeitung