Das Verfahren wegen versuchter Kindesentführung gegen den ehemaligen Gerichtspsychiater in Aschaffenburg wurde eingestellt. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, muss sich der in Fachkreisen bundesweit bekannte Universitätsprofessor nicht vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Entscheidung vor allem auf ein psychiatrisches Gutachten über den ranghohen forensischen Psychiater, der selbst jahrelang Gutachten und Expertisen über seelisch kranke Straftäter, u.a. für die Landgerichte Aschaffenburg und Würzburg erarbeitet hatte.

Versuchte Kindesentführung

Mitte November hatte der Facharzt für Psychiatrie in einem Aschaffenburger Vorort, einen ihm fremden 12-jährigen Jungen „retten“ wollen und diesen entgegen seinem Willen zum Einsteigen in sein Fahrzeug bewegen wollen. Ein Nachbar, die Großeltern des Jungen sowie die Polizei konnten weiteres verhindern. Es erfolgte eine Anklage wegen versuchter Kindesentführung.

Vorrübergehend Schuldunfähig

Laut Gutachten, war der Gerichtspsychiater aufgrund einer krankhaften seelischen Störung zu dieser Zeit schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so Oberstaatsanwalt Schmitt, ohne jedoch auf weitere Einzelheiten einzugehen. Das aktuelle Gutachten geht laut Staatsanwaltschaft von einer kurzen Krankheitsperiode infolge andauernder beruflicher Belastung« des einst angesehenen Psychiaters aus.

Alte Verfahren stehen nicht in Zweifel

Wie Oberstaatsanwalt Schmitt weiter mitteilte, sehe er keinen Anlass, alte Gerichtsverfahren in Frage zu stellen, in denen der Mann Gutachter war: Laut Gutachten beschränke sich das Fehlverhalten des Psychiaters auf diese eine Episode. Von ihm gehe auch keine Gefahr aus.